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Sabines Blog

Jugend neu denken!

Ziele von Erziehung in einer Demokratie

„Normative Repression“... ich tu es, weil "man" es tut...

Machtkämpfe mit den Eltern sind irgendwann ab der Pubertät (so nennen Entwicklungspsychologen die Zeit des Erwachsenwerdens“) – unvermeidlich.
In dieser Zeit geht es nicht um Prinzipien, sondern darum, neue, nicht mehr kindliche Formen der Auseinandersetzung mit Autoritätspersonen zu finden und auszuprobieren.
Selbst tun, nicht mehr sich etwas sagen lassen, zu allem eine eigene Meinung haben, diese zu sagen, sind handlungsleitende Prinzipien
Schutz und Zuwendung werden in dieser Zeit ein großes Thema!

In der Altersstufe der 13-Jährigen, setzen sich die meisten Kinder und Jugendlichen damit auseinander, welche Rolle Fehler im Handeln nahestehender Menschen und in ihrem eigenen Leben moralisch spielen. Die eher kindliche Moral des entweder-gut-böse muss überwunden werden zugunsten der Einsicht, dass auch dann Menschen liebenswert sind, wenn sie ab und zu falsch handeln, und dass der Vorsatz, nie zu versagen, nicht mehr zu sündigen, Menschen in ihrem alltäglichen Leben überfordert.

Das gilt auch für sie selbst. Letzteres wissen auch sie selbst, und trotzdem halten Kinder zu lange an ihren naiv-rigorosen Normen fest und entmutigen sich dabei laufend selbst. In diesem Selbstentmutigungsprozess werden sie dann meist noch gefördert, durch die vielen Erziehungspredigten, die sie zu Hause oder/und in der Schule hören müssen.
Es wird im Umgang mit Kindern – bis auf wenige Ausnahmen – aufgrund eines falschen Verständnisses von der scheinbar heilen Welt der Kinder und über ihre Erziehung versäumt, sie von frühester Kindheit an auch am Gespräch über das Versagen aller Beteiligten, also auch der Eltern und anderer älterer Menschen, offen und ehrlich zu beteiligen. Der naive Glauben an die Unfehlbarkeit Erwachsener erst gar nicht groß werden könnte und wenn die Kinder trotz ihres Wissens um die Fehler Vertrauen in ihre geliebten Mitmenschen aufbauen könnten.
Ansehen kommt von „ansehen“ –
Vereinbarungen, Absprachen, gemeinsames Umlernen sind im Konfliktfall immer besser als Strafen; doch kann es sein, dass sie manchmal notwendig sind.
Die Würde des Menschen muss unantastbar bleiben – auch UNSERE Würde.
(Bloß stellen, auslachen ist verboten)
Jugendliche müssen auch eine Chance erhalten, das Leben ihrer Erwachsenen und die Rolle, die sie darin spielen, zu kennen!

Scheiter heiter!

Wie funktioniert Erziehung zu einem mündigen Bürger in einem demokratischen Staat?
Wie lernen Kinder und Jugendliche, Verantwortung für sich, für die Gemeinschaft und ihre Pflichten zu übernehmen?

In einer Demokratie geht es darum, selbstbestimmt und eigenständig Entscheidungen treffen zu können. Es geht darum, Eigensinn zu stärken, Kindern zu helfen, zu ihren eigenen Überzeugungen zu stehen ohne andere zu verletzen oder jemandem zu schaden. Probleme, Konflikte, Meinungsverschiedenheiten, Gruppenbildung, das alles ist normal. Bei Konflikten soll es nicht darum gehen, wer schuld ist, sondern es geht um Lösungen und darum, was wir daraus lernen können. Das Ziel von Erziehung ist auch, zu verschiedenen Menschen liebenswerte Beziehungen zu haben.

Und, was das Wichtigste ist: Menschsein bedeutet Fehler machen, Dinge ausprobieren, Probehandeln.
In einer Zeit, in der alles nach Individualisierung, Potentialentfaltung und Perfektion strebt,
müssen wir mutig dazu stehen, dass wir alle Fehler machen. Fehler machen gehört zum Lernen, durch Fehler machen bleiben wir lebendig.

Welche Rolle spielen Erwachsene für Heranwachsende?

In der Erziehung geht es vorwiegend darum, den Kindern von Anfang an „dabei zu helfen, es selbst zu tun“. Ein wesentlicher Grundsatz in der Erziehung, in der Pädagogik überhaupt, muss sein: sich selbst überflüssig zu machen. Das bedeutet nicht, dass wir unseren Kindern keinen Schutz und keine Zuwendung zukommen lassen. Es bedeutet, dass wir Situationen willkommen heißen, die unseren Kindern selbstständiges und selbstwirksames Handeln, selbstermutigende Erkenntnisse möglich machen. Erziehung bedeutet aber auch, den Mut zum Leben weiterzugeben – und diesen Mut findet ein Kind nur, wenn es geliebt wird.

Schule alt-Schule neu?

Schule im Rückwärtsgang: Rückschritt oder Fortschritt?

Wir haben ein großes Problem im österreichischen Bildungssystem: wir wollen grundsätzlich ermutigte, selbstständige, leistungsbereite und kooperierende Menschen.
Solange wir dieses Ziel mit rein kognitiven und mechanistischen Methoden wie in einer Fabrik zu erreichen versuchen, werden wir kläglich scheitern. Die Gefühle der Entfremdung und Überforderung in pädagogischen, sozialen Berufen und in Familien werden weiterhin zunehmen. Die, die nicht viel nachdenken, funktionieren weiterhin am besten. Mittlerweile ist die Familie nicht mehr nur betroffen von einer „Pädagogisierung“, sondern auch von einer „Verbetriebswirtschaftlichung“, die Bildungseinrichtungen kippen mitsamt der Lehrinhalte in tiefste autokratische Strukturen zurück.
Unsere politischen Vertreter hinken Lichtjahre den aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen hinterher.
Ich empfehle Eltern und Lehrern, sich zu verbünden um sich zu ermutigen. In Zeiten wie diesen brauchen wir einander ganz dringend. Seien Sie ungehorsam!
Tyrannische Erziehungsratgeber, entmutigende Notstandsverkünder und neurobiologische Muntermacher senden Sie bitte ungelesen an die zuständigen Bildungsverantwortlichen.

Niemand ist schuld

Niemand ist schuld

Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer, Erwachsene, wir lernen, leben, essen, lieben, streiten und sind in ständiger Wechselwirkung miteinander.
Wie sonst wäre es möglich, dass Geschwisterkinder sich so unterschiedlich entwickeln?
Wir Menschen bringen einen „inneren Bauplan“ mit, sie entwickeln eine „private Logik“, einen eigenen „Lebensstil“.
Denken, fühlen und Handeln sind beeinflusst vom Innen, vom Außen, von den Rahmenbedingungen, mit denen wir aufwachsen, von den Menschen, mit denen wir lernen, leben und arbeiten. Und dabei suchen sich Kinder „ihre Lieblingserwachsenen“ aus. Sie entscheiden mehr oder weniger unbewusst, wem sie sich zugehörig fühlen, mit wem sie sich innerlich „verbünden“ wollen, und wir Erwachsenen können dazu viel mehr beitragen (oder eben auch nicht) als uns lieb ist, und trotzdem „machen“ wir „es“ nicht. Das Kind ist ein selbsttätiges Wesen, und will weder befüllt noch bespielt werden – von Natur aus. Doch das bedeutet nicht, dass manche Kinder aufgrund ihrer Veranlagung oder Persönlichkeit sich nicht gern verwöhnen lassen oder ihre Mitmenschen hervorragend gut in den Dienst stellen können. Wichtig ist, dass wir immer die individuelle Situation und das jeweilige Kind sehen und verstehen lernen, vorausgesetzt, wir wollen Kinder überhaupt ermutigen und ihnen mehr „Begleitende“ als „Erziehende“ sein.

Was brauchen wir Eltern?

Auch Eltern haben ein Recht auf Grenzen, Bedürfnisse und ein eigenständiges Leben. Liebendes Vertrauen brauchen wir in unsere Kinder, damit gemeinsames Leben gelingen kann, vor allem, wenn Probleme und Konflikte den Alltag „stören“ und gemeinsame Lösungen gefunden werden müssen. Ermutigung brauchen wir, um uns dem Leben in all seinen Facetten stellen zu können. Und Mut brauchen wir, um uns jeden Tag neu einlassen zu können in die herausfordernde Aufgabe der „Erziehung“.

Vertrauen

Vertrauen ins Leben

Für viele Mütter oder Väter bedeutet sogar der Rückzug ihrer Kinder ins eigene Zimmer, wenn sie für sich allein sein wollen, oder sich ins Spiel oder in irgendeine andere Tätigkeit vertiefen und einlassen, bereits der Verlust des Gefühls „Ich werde gebraucht“. Wir können das mit einer Art Eifersucht vergleichen: die Mutter ist eifersüchtig auf die Welt des Kindes, zu der sie im Moment keinen Zugang hat, in der sie jetzt nicht gebraucht wird. Sehr empathische Kinder mögen das als Hinweis interpretieren, dass es ihnen nicht gestattet ist, sich ihre kleine Welt zu „nehmen“, sich dorthin zurückzuziehen. Sie können es sich nicht erlauben, sich hinzugeben, fallenzulassen, ihre Aufmerksamkeit zu polarisieren.

Im Keramik Atelier meiner Freundin begegne ich Paul, einem dreizehn Monate alten Jungen.
Er strahlt vor Entdeckerfreude, eine unglaubliche innere Kraft, ein tiefes Vertrauen ins Leben geht von ihm aus. Mit großen Augen und offenem Mund steht dieser kleine Mensch vor mir, mitten in der großen Werkstatt, und saugt wie ein Schwamm alles auf, was es zu sehen, zu hören, zu riechen und zu erkunden gibt. Ich kann meinen Blick nicht von ihm abwenden; diese Begegnung erfasst mich wie eine Welle und lässt mich Tage danach noch immer nicht los...

Wie können wir Wege finden, auf unsere Kinder einzugehen und ihr Vertrauen zu gewinnen, damit das Zusammenleben leichter gelingt?

Machtkämpfe sind im Zusammenleben mit Kindern und Jugendlichen unvermeidlich. Es geht in dieser Zeit darum, neue, „erwachsenere“ Formen der Beziehung miteinander zu finden. Je klarer wir in dieser Zeit an unseren Grenzen, an dem, was für uns akzeptabel ist, festhalten, umso weniger werden diese Konflikte eskalieren. Es ist aber auch wichtig, dass wir im speziellen Einzelfall Misslungenes „übersehen“ und uns einlassen können darauf, dass diese jungen Menschen lernen und Fehler machen müssen. Kinder müssen erfahren, dass auch wir Erwachsene Fehler machen und sollen sich früh damit auseinandersetzen, dass es „die heile Welt“ nicht gibt.

Bildungskompass

Anscheinend geht es fast nur mehr darum, voneinander unabhängige Fähigkeiten zu schulen á la „Herr Professor, reden Sie nicht so viel, sagen Sie mir lieber, was ich alles lernen soll um die Prüfung zu bestehen!“ Lernen braucht Vertrauen ins Leben, Mitbestimmung im Alltag von Kindesbeinen an, Zugehörigkeit. Auf der anderen Seite braucht es auch Verstehen, Einüben und Probehandeln (also Fehler machen dürfen!).

Lehren heißt „lernen lassen“. Es wird zuviel vorgegeben, vorstrukturiert, vorbereitet, damit anschließend lückenlos ein- und ausgefüllt werden kann, in welcher Form auch immer. Das ist entmutigend und langweilig und nimmt dem Lernen die notwendige Anstrengung. Das nötige Erfolgsgefühl bleibt aus.

Dauerlob macht übrigens abhängig, und die bunten Schulbücher (immer auf Kinderniveau und spielerisch!) erinnern mehr an Gazetten und an diverse auflagenstarke Tageszeitungen. Nivellierung nach unten? Wollen wir es besser machen als unsere Eltern? Dadurch laufen wir Gefahr, uns zu sehr auf uns selbst zu fokussieren und es unseren Kindern zu bequem zu machen. Alles machen wir, um… zu. Lernen, um zu. Gesund essen, um zu. Theater spielen und Musik machen, um zu. Wofür gibt es eigentlich keine „Kompetenz“? Das ist zum einen Unterforderung und zum anderen Selbstausbeutung, es entwertet den Menschen als ganzheitliches, fühlendes und denkendes Wesen. Bildung entsteht durch Auseinandersetzung mit der Umwelt, den Dingen, im Dialog mit den Mitmenschen. Dazu braucht es Erwachsene, die bereit sind, sich aus dem Fenster zu lehnen, die nicht nur funktionieren und ihre Rollen gut spielen, sondern authentisch und herausfordernd sind. Blöd, dass jetzt das Funktionieren auch nicht mehr funktioniert… Und bitte, warten wir nicht auf unsere Politikerinnen und Politiker! Das gemeinsame Handeln setzt einen Anfang, es löst etwas aus, und es geht nur in kleinen Schritten im aufrechten Gang weiter.

Ersatzgötter

Auf meiner persönlichen Suche nach „Ersatzgöttern“…





Das Schlimmste ist, wenn du vergisst, dass du ein Königskind bist

In: Martin, Buber: Die Erzählungen der Chassidim

Wie verstehe ich das Christentum für mich, abseits von moralischen, weltlichen und menschlichen Irrungen und Wirrungen? Mein Gott als „persönliches Gegenüber“? Gleich, ob Mann oder Frau, ob politisch korrekt oder nicht, Jesus, der Revolutionär, der ganzheitliche Psychologe, der mit der Tür ins Haus fällt und die Dinge beim Namen nennt, wo ist dieser Jesus? Ich habe als sehr junge Frau vieles ausprobiert am esoterischen Supermarkt, zum Teil aus Neugierde, zum Teil aus Widerstand und Rebellion gegen herkömmliche „Denksysteme“. In der Esoterik gibt es, wie überall, Gutes, Schlechtes und viele Dinge dazwischen. Ich traf leider zu viele Anbieterinnen, die mein Bedürfnis nach Selbstbestimmung, geistiger Freiheit und Vielfalt eher verletzt haben.

Nach vielen Jahren fand ich meine eigene Beziehung zum Christentum und zu diesem Gott. Ich fand meine eigene Beziehung zu mir selbst. Das Pendeln zwischen Autonomie und Verantwortung, zwischen Nähe und Distanz, es gehört einfach zu mir. Das Leben wird immer eine Herausforderung bleiben. Du musst das Leben nicht verstehen. Vertrauen, Trost, Glaube, Hoffnung, Zuversicht.

Alles, was ich jemals suchte, es war da, „der Himmel, er war bereits in mir“.

In all meinem Ringen und Zweifeln, in Freude und Liebe, Genuss und Hingabe gibt es für mich ein göttliches Du. Als ich meine vertrauten Standpunkte verlassen hatte, weil ich sie verlassen musste, begegnete ich diesem Du, mitten in einer schweren persönlichen Krise. Ich begegnete Gott auf Augenhöhe. Gleichzeitig begegnete ich Menschen, die ihr ganz persönliches christliches Weltbild mutig und glaubwürdig leben. Das ermutigte mich, zurück zu meinen Wurzeln zu gehen, mit einer völlig neuen Perspektive.

Schritt für Schritt, Atemzug um Atemzug. Das Leben erfordert täglich viele Entscheidungen. Ich bin dankbar dafür, dass es das Leben gibt und dankbar, dass jedem Anfang ein Zauber innewohnt.

Sabine Felgitsch, St. Margarethen an der Raab

ich bin ohnmächtig

ich sterbe, wenn ihr sterbt

ich bin machtlos, wenn ihr machtlos seid

wenn euer Herz herzlos ist

ist auch mein Herz herzlos





ihr habt mich allmächtig genannt

ich habe den starken Verdacht

ihr Menschen wolltet mir für

alles Dunkle und nicht Vollbrachte

den schwarzen Peter zuschieben

den Teufel





ich bin nichts, wenn ihr nichts seid

mein Leben ist euer Leben

mein Tod kommt unweigerlich

wenn ihr mit eurer Sprache

mich totmacht





ihr müsst mich neu erfinden

ihr müsst mich glaubhaft aufweisen

diese Welt ist ohne Vater und Beistand

wenn ihr nicht

wirklich Söhne und Töchter

im höchsten Sinne seid.





Pfarrer Wilhelm Wilm

Menschenvolksbegehren

Menschen hautnah
Menschen hautnah



Die Arbeitswelt trennt Kinder von Eltern und Jung von Alt und die Langsamen und Feinfühligen von den Schnellen und „Funktionstüchtigen“. Sie beruht auf Profitdenken, stetem Wachstum und einem mechanistischen Weltbild.

Viele Frauen zerreißt es zwischen der Sehnsucht nach Geborgenheit und nach Autonomie, nach dem Recht auf einen Platz und auf Anerkennung in (männlich dominierten) beruflichen Systemen und nach Unabhängigkeit. Das Leben in der Familie fordert manchmal so viel Selbstaufgabe, dass es manchmal dazu führt, dass wir Frauen uns darin verlieren. Gleichzeitig sorgt dieser Zwang zur Vereinbarkeit dafür, dass für viele die Gefühle der Fremdbestimmung so zunehmen, dass sie sich niemals finden können – als Frau.

Die Werte, die unser Berufsleben bestimmen, sind kapitalistisch orientiert. Sogar im pädagogischen/psychosozialen Bereich arbeiten wir mittlerweile eifrig und gehorsam die unsinnigen formalen und strukturellen Vorgaben eines kapitalistischen „Yes, we can!“ ab. Der Zwang zur Individualisierung und zur Perfektion macht uns zu automatisierten Einzelkämpferinnen. Die Ich-AGs, weil viele nicht mehr mitkönnen, sorgen dafür, dass wir uns ent-solidarisieren.

Sicher, die Emanzipation hat uns viel gebracht. Allerdings müssen wir Frauen uns jetzt auch noch in diesen männlichen und kapitalistischen Systemen bewähren, wenn wir echt gut sein wollen. Lebendige und mitmenschliche Impulse sind zu unterdrücken. Selbstbestimmung, Mitbestimmung und würdiges Leben, das wäre ein Volksbegehren wert! Wie wollen wir leben in unserer Demokratie, wir Frauen, Männer und Kinder, und, vor allem, wozu leben wir?

Vom Miteinander Spielen und Lernen

Foto Ulrich Reinthaller
Foto Ulrich Reinthaller

Vom miteinander spielen, arbeiten, streiten und leben Lernen

Wir reden viel über Pädagogik. Bildung und Erziehung neu denken? Wissenschaftlich einwandfreie Ergebnisse sorgen für kognitives Knowhow. Kompetenzmessungen. Potentialentfaltung. Bildungspläne. Notenwahrheit. Bis in den Kindergarten, bis zur Klasse, bis zu den Studentengruppen und zur Lehrerausbildung wird nun alles vorgeschrieben. Die computerunterstützte Verwaltung sorgt für die Umsetzung. Statistisch ausgerechnete Kinder? Kinder wollen ihr eigenes Leben haben. Niemand will „durchschnittlich“ sein. Und niemand von uns kann abschätzen, welche Folgen dieser Rückfall in zutiefst verschultes und autoritäres Verhalten haben wird. Wir sollten endlich damit aufhören. Es passt nicht in ein demokratisches Menschenbild.

Sicher, wir können nicht mehr zurückgreifen auf gemeinsame Werte und Erziehungsgrundsätze. Alle, die in Kindergärten und Schulen arbeiten, können ein Lied davon singen. Also tun wir alle so, als wäre der Mensch eine Maschine und Erziehung eine mechanistische Aufgabe: wir belehren, schulmeistern und sagen, wie es geht. Erziehung muss ermutigen, nicht mit dem großen Strom zu schwimmen. Erziehung zur Demokratie bedeutet, dass nicht immer alle in einer Reihe stehen. Wenn wir selbstständige Kinder haben wollen, dann müssen wir uns auch endlich Gedanken machen darüber, wie wir reagieren, wenn Kinder selbstständig sind. Wie gehen wir mit Kindern um, die nicht bereit sind, sich anzupassen? Es geht um Sozialisation, um Beziehung, darum, sich einzulieben und einzuleben. Wir müssen so miteinander leben (lernen), dass das Leben miteinander Freude macht.

Pädagogik kann und soll mehr sein als durchgestylte, professionelle Ideologie. Sie muss sich orientieren am denkenden, fühlenden und handelnden Menschen. Der suchende, leidende, konfliktgeladene Mensch. Bindung, Liebe, Autonomie, Selbstbestimmung. Diese Frage nach dem echten Menschen in der Welt müssen wir uns in der Pädagogik neu stellen. Bilden ist nicht Machen.